Nichts neues von Plasberg

Trotz eines brisanten Themas schien Frank Plasberg bei seiner Runde über Griechenland den Talkshow-Kritikern weitere Munition liefern zu wollen: Erhellende Momente waren Mangelware. Das übliche Talkshow-Personal repetierte Ansichten, die man hinlänglich bereits aus anderen Talkshows kannte. Auch die routiniert servierten Einspielfilme alamierten zwar mit vielen Fakten und besorgten Zuschauerstimmen – echte Einsichten in die griechische Schuldenmisere verschafften sie dagegen nicht.

Plasbergs Sendung drohte ein Musterbeispiel zu werden für die kürzlich geäußerte Kritik der ARD-Oberen an den eigenen Talkshows: Personelle sowie thematische Dopplungen und eine nur oberflächliche Auseinandersetzung mit den Themen bewirken einen geringen Erkenntnisgewinn beim Zuschauer. Dieses Unbehagen konnte man beim Sehen von Plasbergs Talk nur bestätigen. Ob CDU-Generalsekretär, BILD-Redakteur, Globalisierungskritiker oder ehemaliger Aktienhändler: Jeder bekräftigte seine bekannten Positionen, hielt sich nur ungern mit Widersprüchlichkeiten auf und es kam selten zu einer echten Diskussion miteinander. Bei einem Gast wie Costa Cordalis war ohnehin fraglich, was er mehr als Allgemeinplätze zu diesem komplexen Thema hätte beisteuern sollen.

Insofern wäre Plasbergs Show nur eine Fußnote zur Kritik an den öffentlich-rechtlichen Talks, schwierige Themen nicht angemessen aufzubereiten. Aber zum Glück zeigte Plasberg auch, dass es anders geht. Eine nach Griechenland ausgewanderte Deutsche berichtete eindrücklich und differenziert von der Wirklichkeit in ihrer Wahlheimat. Jenseits von Platitüden über die ‘Pleitegriechen’ sprach sie über Missstände und mangelnde Selbstkritik in Griechenland. Zugleich machte sie deutlich, wie sehr deutsche Schroffheit und Boulevardhetze die Menschen in Griechenland verletzen und ihren Argwohn gegenüber Deutschland anheizen. Das waren Momente, die den ARD-Oberen bei ihrer jüngsten Kritik am mangelnden Erkenntnisgewinn als gegensätzliches Ideal vorgeschwebt haben müssen.

 

Dieser Artikel wurde am 20. Juni 2012 um 16:38in den Kategorien Kultur veröffentlicht. Sie können unsere neuesten Artikel über unseren RSS 2.0 Feed verfolgen. Hinterlassen Sie auch gerne eine Antwort zu diesem Artikel , oder den Trackback zu Ihrer Seite.

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